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Bürger-Dialog des Deutschen Jugendherbergswerks Landesverband Bayern zum Bau der neuen Jugendherberge

Der Einladung des Deutschen Jugendherbergswerks Landesverband Bayern (DJH) zum Bürger-Dialog am 9. November in den König Ludwig Saal waren weit mehr als 100 Personen gefolgt. Der Präsident des DJH Gerhard Koller eröffnete mit einem Rückblick den Abend. Es sei von jeher die Vision des DJH, junge Menschen in die Natur zu bringen; Nachhaltigkeit stehe für sie an erste Stelle. Prien sei seit 1968 Jugendherbergs-Standort; bundesweit habe man hier die erste Umweltherberge erbaut. Es sei für sie ein großer Schock gewesen, als man diese aufgrund Brandschutzauflagen habe schließen müssen. Das Gremium habe aber sofort entschieden, am Standort festzuhalten. Die DJH stehe für Toleranz, Respekt und Verantwortung; sie sehe ihre Aufgabe immer auch in Bildungsangeboten. Aufgrund der internationalen Ausrichtung könne er insofern auch von einer »Friedenserziehung« sprechen.
Festsetzungen sichern Fußweg
Anschließend zeigten Thomas Lindner von der Bauverwaltung, Bernhard Püschel als Architekt und Rupert Schelle als Landschaftsarchitekt detailliert auf, was genau sie an der Osternacher Straße planten. Lindner erklärte die Festsetzungen des dort gültigen Flächennutzungsplans, der 2006 einstimmig im Gemeinderat beschlossen worden sei. Darin sei die Höhe des Gebäudes auf zwei Vollgeschosse beschränkt; was sich an den umliegenden Gebäuden orientiere. Ein dritter Stock sei ausgeschlossen. Aufgrund der Festsetzungen würde der bestehende Fuß- und Radweg in der Verlängerung der Carl-Braun-Straße in seiner jetzigen Form gesichert. Architekt Bernhard Püschel zeigte anschaulich auf, wie es zum jetzigen Stand der Pläne gekommen ist. Der neue Standort sei ideal, weil er bereits erschlossen sei, es müssten keine neuen Flächen versiegelt werden. Zudem gehe der Chiemsee-Radrundweg direkt daran vorbei. Er versicherte, dass die Verlängerung der Carl-Braun-Straße durch das Vorhaben als Fußweg dauerhaft gesichert werde. Im Moment sei dieser durch verschiedene Eigentümer in seiner jetzigen Nutzung nur geduldet.
Artenvielfalt wird gefördert
Auch die vorhandenen Bäume und Sträucher im Norden und Süden des Areals blieben erhalten. Auf dem Grundstück habe man keine schützenswerten Tierarten gefunden; es werde derzeit als Koppel sowie landwirtschaftlich genutzt. »Der Tierreichtum wird mit dem Neubau eher zunehmen«, so Püschel, da das geplante begrünte Dach als störungsfreie Fläche die Artenvielfalt unterstütze. Man plane 200 Betten. Die Hälfte der Räume für zwei bis sechs Personen werde barrierefrei, rund 15 Prozent rollstuhlgerecht ausgebaut. Die fünf Gebäudekomplexe würden mit verglasten Fluren verbunden. In seiner Höhe sei der Bau niedriger als die vorhandenen Bäume. Er orientiere sich an den umliegenden Gebäuden.
Spielplätze hinter dem Haus geplant
Alle Komplexe, die Störungen verursachen könnten wie Sport- und Spielplätze, seien auf der von der Straße abgewandten Seite vorgesehen. Dazu werde es Seminarräume sowie ein Umwelt-Labor im Obergeschoss geben, um den Bildungsauftrag des DJH zu erfüllen. Zudem sollen 20 Stellplätze sowie eine Einbuchtung für einen Bus entstehen. Die Außenfassaden würden mit Holz verkleidet.
Vorbild für ökologisches Bauen
Landschaftsarchitekt Rupert Schelle erklärte, die begrünten Dächer könnten 70 Prozent der Regenmengen auffangen und später wieder verdunsten lassen. Das vorgesehene Regenwasserrückhaltebecken im Garten diene darüber hinaus der ökologischen Bildung der Gäste. Für ihn sei der Bau ein Vorbild für ökologisches Bauen, der Prien zum Vorreiter mache. Der Sonderbeauftragte des DJH für das Priener Projekt, Dr. Helmut Wittmann aus Seeon, betonte, dass damit die Internationalität von Prien erhöht werde. Auch sei eine Kooperation mit den Kliniken zur Gesundheitsprävention denkbar, es seien bereits Anfragen eingegangen. Auch für Vereine wie den nahen Segelclub, der Inklusions-Regatten durchführe, sei der Bau wertvoll.
18.000 junge Gäste prognostiziert
Der für die Finanzen beim DJH zuständige Vorstand Winfried Nesensohn sagte, die Investition von 13 Mio. Euro werde aus dem Verkauf des alten Areals, aus Eigenmitteln und einem Kredit finanziert. Das DJH rechne im ersten Jahr mit rund 30.000 Übernachtungen und damit mit einer Auslastung von 40 Prozent. Ziel sei eine Steigerung in fünf Jahren auf 55 Prozent Auslastung bei 40.000 Übernachtungen pro Jahr. Gäste seien erfahrungsgemäß zu je einem Drittel Schüler, internationale Austauschgäste sowie Familien und Individual-Reisende. Dies bedeute für Prien eine Erhöhung der Übernachtungszahlen um 10 Prozent mit 18.000 jungen Gäste pro Jahr. Zudem zeige eine Studie zum Tourismus der TU München, dass von 100 Prozent Umsatz, den die Gäste tätigten, nur 35 Prozent an die Jugendherberge gingen. 24 Prozent komme der Gastronomie zugute, 17 Prozent dem Einzelhandel und 23 Prozent anderen Dienstleistern.
»Innovativste Umwelt-Jugendherberge« in Prien
Die Jugendherberge verschaffe 25 Personen einen ganzjährigen Arbeitsplatz; man wisse, dass dies wiederum 50 neue Arbeitsplätze im Umfeld nach sich ziehe. Auch das heimische Handwerk profitiere von dem 13-Mio.-Euro-Bau. Darüber hinaus werde Prien auf allen Portalen des DJH weltweit beworben; ebenso in den Katalogen und in der Mitgliederzeitschrift. Präsident Koller schloss den Vortragsreigen mit den Worten: »Wir wollen die innovativste Umwelt-Jugendherberge in Prien bauen.«
Busse bleiben nicht über Nacht
Und damit begann die Fragerunde, die der Präsident des Bayerischen Jugendrings Matthias Fack souverän moderierte. Die Befürchtungen der Priener bezogen sich vor allem auf das zu erwartende Verkehrsaufkommen, die Parkplätze der Busse, warum man 200 Betten brauche und was die Jugendherberge den Einheimischen bringe. Auch wurde der Wunsch nach einer Geschwindigkeitsbegrenzung in der Osternacher Straße sowie nach einem Zebrastreifen laut. Nesensohn erklärte, dass die Busse schon aus Kostengründen nicht blieben, sondern die Gäste nur brächten und wieder abholten. Der anwesende Ludwig Feßler bot dazu an, dass die Busse seine Parkplätze nutzen könnten. Zum Verkehr sagte Nesensohn, dass bei 20 Stellplätzen nicht mit einem erheblich erhöhten Aufkommen zu rechnen sei. 200 Betten seien nötig, um die Investition wieder hereinwirtschaften zu können. Im Weiteren stehe die Jugendherberge mit ihren Seminarräumen und Laboren auch den Prienern zur Verfügung.
»Ein Ort, der sich nicht entwickelt, stirbt!«
Eine Wortmeldung hinterfragte, warum man die Natur zerstöre, um eine Umweltherberge zu realisieren, mit einem Seitenhieb auf das Wahlversprechen von Erstem Bürgermeister Jürgen Seifert, die »Lieblichkeit Priens zu erhalten«. Seifert erwiderte, er könne sich dazu kein besseres Konzept vorstellen. Zudem verstehe er es als Verlässlichkeit, wenn er sich an die Beschlüsse seiner Vorgänger halte. Diese Fläche würde zurzeit von zwei Pferden sowie der Landwirtschaft genutzt. Die anwesenden Planer sowie das DJH hätten sich sehr viele Gedanken gemacht, um dieses Areal ökologisch aufzuwerten und zu einem Ort zu machen, an dem Menschen Natur erleben und erfahren dürfen. »Ein Ort, der sich nicht entwickelt, stirbt!«, so Seifert.
Gewissenhafte nachhaltige Planung
Es handele sich beim JHW um Menschen, die nachhaltig planten, und nicht um Investoren, die gewinnbringend agierten, so Seifert weiter. »Wenn Sie die Jugendherberge verhindern, retten sie nicht dieses Land. Diese Fläche wird bebaut. Wenn nicht so, dann vielleicht mit einem Hotel«, schloss Seifert seinen Appell, der ihm Bravo-Rufe einbrachte. Präsident Koller bedankte sich schließlich nach rund 2,5 Stunden beim Publikum. Er habe eine offene Atmosphäre gespürt. Sie würden den Abend wiederholen, um die Priener weiterhin auf dem Laufenden zu halten. »Es soll auch Ihre Jugendherberge werden«, schloss er den Abend. pw

Die JHW hat 260.000 Mitglieder in Bayern, 2,4 Mio. deutschlandweit. Die 59 Jugendherbergen in Bayern zählen 470.000 Gäste mit 1,3 Mio. Übernachtungen pro Jahr, in Deutschland insgesamt 4,1 Mio. Besucher mit 10,2 Mio. Übernachtungen.

Sitzungstermine Februar/März 2018

Hauptausschuss:
Mittwoch, 21. Februar
Mittwoch, 14. März
18:00 Uhr

Bauausschuss:
Dienstag, 20. Februar
Dienstag, 13. März
18:00 Uhr

Marktgemeinderat:
Mittwoch, 28. Februar
Mittwoch, 21. März
18:00 Uhr

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