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Der erste Bürgermeister Jürgen Seifert mit grauem Anzug, grünem Hemd, und schwarzer Krawatte und einer Brille

Liebe Prienerinnen und Priener,

eigentlich wollte ich an dieser Stelle von ein paar schönen Dingen berichten. Von den außerordentlichen Begegnungen mit Ihnen am Marktplatz, als ich bei der Aktion »Prien pflanzt – Prien erntet« mit Unterstützung durch die ortsansässige Gärtnerei Rother Kürbispflanzen verteilen durfte. Oder davon, dass unser Ort Anfang Juli mit der Veranstaltung »Little Swinging Prien« ganz im Zeichen der Musik stand. Davon, dass das Leben wieder Einzug gehalten hat in Prien.

Stattdessen erreichte mich noch in der Nacht am Sonntag, 4. Juli die traurige Nachricht, dass unser früherer 2. Bürgermeister und Ehrenbürger, Hans-Jürgen Schuster, den Kampf gegen seine bereits vor einigen Jahren diagnostizierte Krebserkrankung verloren hat und verstorben ist.
Wenn Sie die Nachricht vom Tode eines Ihnen nahestehenden Menschen bekommen, dann bleibt erst einmal die Zeit stehen. Dinge, die zuvor noch wichtig erschienen, werden plötzlich ganz klein und unbedeutend. Gleichzeitig beginnt man, sich zu erinnern. Wie war dieser Mensch? Welche Bedeutung hatte er für mich? Welche Spuren hat er hinterlassen?

Hans-Jürgen Schuster war ein Mensch, der sich Zeit seines Lebens für andere eingesetzt hat. Egal, ob im kirchlichen oder im kommunalen Bereich. Egal, ob es darum ging, für Obdachlose eine Wohnung oder für Schulabgänger kurzfristig noch eine Lehrstelle zu finden. Ganz gleich, mit welchem Anliegen man zu ihm kam oder welchen Hinter-grund eine Anfrage hatte: Wichtig war ihm einfach nur, zu helfen. Seine tiefste Überzeugung war dabei stets, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Es machte ihm große Freude, wenn diese Hilfe Früchte trug, und wenn die Menschen, die gestern noch um Rat und Unter-stützung gebeten hatten, morgen schon so weit aufgebaut waren, dass sie sich selbst helfen und wie-der auf eigenen Beinen stehen konnten. Aber auch diejenigen, bei denen dies vielleicht nicht im ersten Anlauf geklappt hat, wurden von ihm nicht abgewiesen, sondern er wurde nicht müde, es immer und immer wieder zu versuchen.

Obwohl er von seiner schweren Erkrankung bereits sehr gezeichnet war, machte er sich auch in den letzten Wochen seines Lebens noch stark für die Allgemeinheit. So sammelte er Spenden und warb vielerorts um Unterstützung für ein neues Sozialprojekt, mit dem es im Herbst in Prien losgehen soll: die Aktion »Bürger helfen Bürger«. Rastlos rührte er hierfür die Werbetrommel und darauf angesprochen, ob es für ihn nicht besser sei, kürzer zu treten, winkte er ab und sagte voller Überzeugung »So bin ich eben.« Seine gefühlt unendlich positive Energie, eine ihm ganz eigene Fröh-lichkeit, die ansteckend war und mit der er manche Krise einfach weggelächelt hat, und seine menschliche, ausgleichende und zuvorkommende Art waren es, womit er viel Gutes für die Menschen in Prien und Umgebung erreicht hat. Sein christlicher Glaube und seine Familie waren ihm dabei stets eine große Stütze und Halt.

Ich glaube, ich spreche an dieser Stelle für viele Menschen, wenn ich sage: »Ich bin glücklich, dass ich ihn kennenlernen durfte.« Vermissen werde ich unsere persönlichen Begegnungen und die Möglichkeit, mich mit ihm über die verschiedensten Themen austauschen und ihn um seine Einschätzung bitten zu können. Von diesem gelegentlich stattgefundenen Meinungsaustausch wird mir in sehr guter Erinnerung bleiben, dass er stets auf Augenhöhe stattgefunden hat. Trotz oder vielleicht gerade wegen seiner enormen Lebenserfahrung hat er sich auch gegenüber neuen Ansichten nie verschlossen und aufgrund der Tatsache, dass ich ihm genauso wenig schuldig war wie er mir, wusste ich immer, dass ich eine ehrliche Antwort und eine offene Meinung von ihm zu hören bekommen würde.

Mein tiefstes Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihm nahegestanden haben. Mit dem Tod von Hans-Jürgen Schuster ist Prien um eine aufrichtige Persönlichkeit ärmer geworden!

Mit traurigen, aber herzlichen Grüßen
Andreas Friedrich
Erster Bürgermeister