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Oktober 2026

Liebe Prienerinnen und Priener,

der Herbst ist inzwischen auch bei uns am Chiemsee angekommen. Die Tage werden spürbar kürzer, die ersten Blätter färben sich und nach den vielen Veranstaltungen der vergangenen Monate beginnt langsam die ruhigere Jahreszeit. Ganz ruhig war der Start in den Oktober allerdings nicht – denn gleich zu Beginn durften wir in Prien einen besonderen Feiertag mit zwei schönen Veranstaltungen begehen.

Am 3. Oktober haben wir an den Schären unser Fest zum Tag der Deutschen Einheit gefeiert. Einen passenderen Ort dafür kann man sich kaum wünschen: Von unserer Uferpromenade aus richtet sich der Blick hinüber zur Herreninsel – einem Ort, der weit mehr zu bieten hat als das weltbekannte Schloss König Ludwigs II. Im August 1948 tagte dort der Verfassungskonvent und der dabei erarbeitete Entwurf bildete eine wichtige Grundlage für unser Grundgesetz. Gerade deshalb finde ich es wichtig, dass wir den Tag der Deutschen Einheit nicht nur als zusätzlichen freien Tag im Kalender wahrnehmen. Er erinnert uns daran, dass Demokratie, Freiheit und ein friedliches Zusammenleben keineswegs selbstverständlich sind. Unser Gemeinwesen lebt davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen, unterschiedliche Meinungen aushalten, miteinander im Gespräch bleiben und sich für ihre Gemeinschaft einsetzen. Das gilt für unser Land ebenso wie ganz konkret bei uns vor Ort.

Nur wenige Schritte entfernt gab es am selben Tag einen weiteren Grund zum Feiern. Die Chiemsee-Schifffahrt hatte anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Raddampfers »Ludwig Fessler« zum Hafenfest eingeladen. Bereits der Stapellauf vor einem Jahrhundert wurde von der Bevölkerung begleitet und war damals ein großes Ereignis. Dass die »Ludwig Fessler« auch 100 Jahre später noch auf unserem Chiemsee unterwegs ist und Menschen begeistert, ist alles andere als selbstverständlich. Dass dieses Schiff und mit ihm ein bedeutendes Stück Chiemseer Geschichte über Generationen hinweg erhalten geblieben ist, ist insbesondere das Verdienst der Familie Feßler. Die Chiemsee-Schifffahrt ist seit Generationen ein privat geführtes Familienunternehmen und eng mit unserer Heimat verbunden. Für mich ist das ein schönes Beispiel dafür, wie Unternehmertum, langfristiges Denken und Verantwortung für eine Region zusammenpassen.

Das Einheitsfest und das Hafenfest hatten auf den ersten Blick ganz unterschiedliche Anlässe. Und doch verbindet sie für mich ein Gedanke: Vieles von dem, was uns heute selbstverständlich erscheint, hat nur deshalb Bestand, weil Menschen Verantwortung übernehmen, Bewährtes erhalten und zugleich bereit sind, es weiterzuentwickeln.

Um Verantwortung für die Zukunft ging es auch in unserer jüngsten Sitzung des Marktgemeinderats. Ein Vertreter des Bayernwerks, unseres örtlichen Stromnetzbetreibers, hat uns einen Einblick gegeben, wie stark sich unsere Energieversorgung verändert und welche Herausforderungen damit in den kommenden Jahren verbunden sind. Die Energiewende findet nicht irgendwo abstrakt statt, sondern ganz konkret auch in unserer Gemeinde. Immer mehr Strom wird dezentral erzeugt, vor allem durch Photovoltaik-Anlagen auf Dächern. Gleichzeitig steigt der Strombedarf, etwa durch Wärmepumpen, Elektromobilität und die zunehmende Elektrifizierung unseres Alltags. Unser Stromnetz muss deshalb künftig deutlich mehr leisten: Es muss große Mengen dezentral erzeugten Strom aufnehmen und verteilen und zugleich auch bei hoher Nachfrage zuverlässig Energie bereitstellen. Für unseren Netzbetreiber bedeutet dies erhebliche Investitionen in Leitungen, Trafostationen, Digitalisierung und eine intelligentere Steuerung der Netze. Die Vorstellung im Gemeinderat hat gezeigt, wie groß diese Aufgabe ist und wie intensiv sich das Bayernwerk darauf vorbereitet.

Auch für uns als Gemeinde ist diese Entwicklung von großer Bedeutung. Mit eigenen Photovoltaik-Anlagen, unserer kommunalen Wärmeplanung und Projekten rund um eine nachhaltige Wärmeversorgung beschäftigen wir uns bereits seit längerer Zeit mit der Frage, wie die Energieversorgung der Zukunft aussehen kann. Dabei zeigt sich immer deutlicher: Stromerzeugung, Wärmeversorgung, Mobilität und die notwendige Infrastruktur müssen gemeinsam gedacht und Schritt für Schritt weiterentwickelt werden.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien einen schönen Oktober, viele sonnige Herbsttage und vielleicht auch die Gelegenheit, unsere besondere Landschaft rund um den Chiemsee in dieser Jahreszeit ganz bewusst zu genießen.

 

Es grüßt Sie herzlich Ihr

Andreas Friedrich
Erster Bürgermeister